Review on Rocktimes

Review on Rocktimes


Ein Trio, bestehend aus Musikern, die bereits in der ehemaligen DDR als Berufsmusiker tätig waren, stellt sich meinen Ohren mit der aktuellen Platte. Gegründet wurde Zelinka im Jahre 2010 vom Gitarristen Bernd Fleischer, dessen Großvater Johannes Zelinka Namensgeber der Band war. Das Leipziger Instrumentaltrio wird von dem Bassisten Torsten Grossmann und dem Schlagzeuger Kay Rohr komplettiert.
Gleich im ersten Titel wird die Richtung aufgezeigt: Gitarrenrock im Trioformat, mit breitflächigen Riffs, druckvollem Schlagzeug und pumpendem Bass. Und genau dieser ist es, der mittels Slaptechnik à la Stanley Clarke das zweite Stück bestimmt und die Tür vom Rock hin zum Jazz Rock aufstößt! Bass und Gitarre ziehen jedoch nicht ganz in diese Richtung mit und bleiben eher Rock-geerdet. Aber neben satt-fetten Gitarrenriffs darf auch einmal die Akustische ran und gibt das Thema von “Silent” vor. Hier überrascht mich erneut der Bassist mit geschmeidigem und melodiösem Spiel positiv, bevor es bei “Room No. 15” schwer funkt, etwas schwerer und schleppender hätte es noch gern sein können. Der Groove ist nicht ganz perfekt, das instrumentale Können jedoch wohl.
Und so gibt es aus meiner Sicht an den Fähigkeiten der Musiker auch nichts auszusetzen, doch wenn ich zum Beispiel eine Platte von Larry Coryell, Victor Bailey und Lenny White – nehmen wir doch gleich das Album “Electric” – zum Vergleich heranziehe, dann komme ich nicht umhin, festzustellen, dass dort das Schlagzeug viel eindrucksvoller, federnder, elastischer und groovender ist, der Bass noch knackiger und geschmeidiger und die Gitarre soundbestimmender. Darüber hinaus swingt die Musik mehr, der Drive kommt lockerer und das Feeling ist beeindruckender. Ein Manko im Trioformat ist sicher grundsätzlich die Gestaltung von Abwechslung. Zelinka gelingt das nicht immer, eine der Ausnahmen ist jedoch das brillante “Toxic”, bei dem sich sogar Jazzelemente einschleichen und auch die Gitarre einmal wesentlich vordergründiger und aussagekräftiger agiert.
Bei “Chill Out” ist es dann Zeit für die Band, offener und lockerer zu agieren, und ich denke, sie sollte sich von starren Zeitvorgaben unter sechs Minuten lösen und mehr jammen. Das Zeug dazu haben alle Drei schließlich. Dann könnte auch Entwicklung stattfinden und spontane Ideen umgesetzt werden. Einflüsse von Jimi Hendrix treffen so auf Elemente aus Jazz-, Blues- und Hard Rock. Mit diesen verschiedenen Vorgaben könnte sich die Band eine eigene Richtung schaffen, einen persönlichen Ausdruck. ‘Star’ der Band ist für mich der Bassist, der es versteht, sowohl statisch und rhythmusbetont als auch flüssig zu agieren, locker und verbindend, mit einem sehr guten Klang.
Ein sehr feines Rockstück ist “Gipsy March”, das sich innerhalb seiner satten Riffstruktur immer wieder harmonisch auflöst und kleine Türen aufstößt, weiter so! Mit Ruhe und Harmonie endet die gute Platte dann auch. Hier zeigt Fleischer offensichtlich seine romantische Seite, fast atmet das schon ein wenig die Atmosphäre von Blonker, und wieder ist es Grossmann am Bass, der eine sehr gute Leistung zeigt. Vom Schlagzeuger wünschte ich mir etwas mehr Jazz im Rock, mehr Groove und Elastizität – so bleibt das Trio letztlich doch eher auf reinem Rockboden.

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