Interview on Rocktimes

Interview on Rocktimes Magazin

RockTimes: Hi, Zelinkas! Erstmal herzlichen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview nehmt. Seid Ihr mit dem Medienecho bzgl. Eurer Debüt-CD Zelinka zufrieden und habt Ihr das Rauschen im Blätterwald schon halbwegs verdaut?
Torsten: Das war schon unglaublich.Teilweise gab es ja sogar Adelstitel. Dass Portale wie Laut.de oder Plattentest.de nicht über ihren kommerziell begründeten Plattentellerrand schauen, war uns von vornherein klar. Aber mit so viel positiven Resonanzen haben wir dann doch nicht gerechnet.
RockTimes: Was war denn die Triebfeder, vor drei Jahren Zelinka zu gründen, und welche Rolle hat Dein Großvater dabei gespielt, Bernd?
Zelinka Bernd: Gegenfrage, welcher Gitarrist liebäugelt nicht mit einem gitarrenlastigen Instrumentalprojekt? Meine allererste Band (Schülerband) war z. B. so eines und ich denke, manche Dinge im Leben muss man wiederholen. Es hätte selbstverständlich viel eher passieren können, aber besser später als nie. Hinzu kommt, dass ich sehr, sehr hohe Anforderungen an meine Mitspieler stelle (grinst) und somit kamen nur Kay und Torsten in Frage.
Mein lieber Großvater Johannes Zelinka war nicht nur musikalisch begabt, sondern mein erster wirklich großer Fan. So kam es, dass bei der Auswahl des Bandnamens auch sein Name auf der Liste stand – und so sollte es sein. (R.I.P.)
Kay: Ich bin Bernd heute sehr dankbar, dass er mich ansprach. Ich war frei und hatte auf Grund einiger Projekte ein großes Ohr für freie Ideen und eigene Verwirklichung. Im Grunde war diese Variante längst überfällig, denn von der kommerziellen Musik haben wir alle drei zu reichlich erlebt und die Spannung zum neuen Projekt stand schon im Raum, bevor wir damit im Proberaum oder auf der Bühne standen. Wir waren uns aber von Anfang an gemeinsam einig, dass wir es vorerst versuchen wollen und nicht eine Band gründen werden, welche eine Mindestanzahl Gigs im Jahr erreichen muss. Somit wurde eine Enttäuschung von vornherein ausgeschlossen. Beim Versuch blieb es nicht. Der Geruch der unkonventionellen und unkommerziellen Musik ist süß und macht bei Freude daran süchtig.
RockTimes: Ihr setzt Euch mit diesem Projekt bewundernswert konsequent zwischen alle Stühle. Das Format (Trio, rein Instrumental, stilistisch nach sehr vielen Seiten offen) verspricht ja leider keinen großen Erfolg im Kommerzradio und Dudelfunk. Und diese Art von Erfolg strebt Ihr wahrscheinlich auch gar nicht an, oder?
Torsten: Wir nennen unseren Stil selbst etwas augenzwinkernd ‘kraftvolles rockfunkjazzbluesiges Instrumentalprojekt’. Hier sind viele kleine stilistische Eigenheiten zu entdecken. Daraus ergeben sich natürlich auch Unsicherheiten. ‘Rezensensatoren’ sind in ihrem Versuch, Zelinka zu kategorisieren, manchmal recht abenteuerlich. Ich könnte mir die eine oder andere Nummer durchaus in einem Film vorstellen, also von daher kommerziellen Erfolg von vornherein abzulehnen, ist nicht meine Intention. Hitparadentauglichkeit war aber von vornherein keine Option.
Kay: Da keine Abhängigkeit besteht, davon leben zu müssen, ist der künstlerische Freiraum erst einmal geschaffen worden. Ich betrachte dieses als größeren Erfolg als bezahlte Auftragsleistungen für Veranstalter, die sich leider in der Abhängigkeit ihrer Besucher befinden. Wir passen somit nicht wirklich überall hin, aber wenn, dann knacken die Bretter der Welt und der Funke hat keine Chance, nicht überzuspringen.
RockTimes: Ihr seid ja absolute Vollblutmusiker und – da man in der DDR studiert haben musste, um diesen Beruf auszuüben – bestens ausgebildet. Warum zieht es Euch da nicht an die ‘Fleischtöpfe’ der Industrie?
Torsten: Gut ausgebildete Musiker gibt es viele. Und wie so oft entstehen erfolgreiche Projekte auch aus ersten Versuchen, Schülerbands oder ewigen Freundschaften, wie Red Hot Chili Peppers, die Toten Hosen oder Fanta4, die dann über viele Jahre oder Jahrzehnte die Hitparaden mitbestimmen und kommerziell erfolgreich sind. Retortenprodukte klammer’ ich hier mal bewusst aus. Ich spiele seit zwanzig Jahren bei Gudrun Lange & Kactus, einer recht erfolgreichen Country Pop-Band mit vielen CDs und einigen vorderen Plätzen in den Air-Play-Charts. Also insofern finde ich es schon bemerkenswert, dass es immer noch möglich ist, von der Musik leben zu können, auch wenn man nicht unter den Top 10 vertreten ist.
Bernd: Wir sitzen IM Fleischtopf (grinst). Wie schon erwähnt verdiene ich seit über dreißig Jahren meinen Lebensunterhalt mit Musik.
Kay: Es ist nicht so, dass wir nicht mit an der Tafel saßen. Auch war es immer verbunden mit Fleiß und viel Kraft. Nur zum Kick muss man ein Team sein, das die gleiche Blutgruppe hat. In unserem Fall ist darüber hinaus noch die Freundschaft ein großer Beweggrund.
RockTimes: Endlich hab ich mal in der DDR sozialisierte Musiker vor dem (virtuellen) ‘Mikro’, deshalb mal eine neugierige Frage: Was war für Euch als (Berufs-)musiker seinerzeit anders? Waren die Auftrittsmöglichkeiten vielfältiger? Was hat sich seit der friedlichen Revolution im Musikeralltag verändert?
Torsten: Die PappeVom Job her war das gar nicht so viel anders. Die gleichen Voraussetzungen wie heute, um erfolgreich zu sein, galten auch damals. Du warst genauso ‘Selbständiger’, musstest genau so fleißig und kreativ sein, dich um Auftritte bemühen usw. usf. Klar gab es staatliche Regelungen. Ein abgeschlossenes Musikstudium war Bedingung für das Erlangen eines Berufsausweises (bei uns hieß der ‘die Pappe’). Es gab die 60/40-Regelung, die besagte, dass 60% der Titel deutsch sein mussten (so eine Regelung gibt es auch in anderen Ländern, wie z. B. Frankreich). Daran hat sich übrigens keiner gehalten (lacht). Die Auftrittsmöglichkeiten waren reichlicher, da die Häuser zumeist staatlich betrieben und auch subventioniert wurden. Und das Freizeitverhalten war sicher in beiden deutschen Ländern anders als heute. Außer Musik gab es nicht viel und deshalb war sie Mittelpunkt. Du hast aber dennoch nur im eigenen Saft geschmort, ein Erfolg wie der von Rammstein, deren Wurzeln ja in der DDR liegen (Feeling B), war undenkbar.
Bernd: Um hier wirklich Stellung zu nehmen – das würde den Rahmen sprengen. Ich bin auf jeden Fall ein gebranntes Ossikind, was meine musikalische Laufbahn betrifft. Hier war nur deutsche Sprache genehm und die Texte wanderten durch ein böses Lektorat oder wurden vorgegeben. Also nix mit künstlerische Freiheit. Will aber nicht nur klagen, durfte damals sogar als exotischer DDR-Künstler in den ‘goldenen’ Westen fahren.
Kay: Ja, Bernd, genau. Hier einen Rückblick zu geben und zu vergleichen würde meinen Rechner veralten lassen. Aber ein schönes Beispiel habe ich erlebt und bis heute nicht vergessen: Wochen nach der Grenzöffnung war ich erstmals im Westen. (Noch unter Schock der Wehrdienstzeit in der DDR bis Oktober 1989.) Ich war eingeladen und Freunde in Stuttgart überraschten mich mit einer Eintrittskarte zu einem Konzert meiner damaligen Lieblingsband Marillion. Was ich da hörte überwältigte mich derartig, dass ich nahezu zusammenbrach und nur durch die hohe Klangqualität spürte, dass die Grenzen offen sind. Dieses akustische Erlebnis hat vieles in meinem Leben verändert und vor allem den eigenen Anspruch nach oben torpediert. In diesen Minuten begriff ich nahezu genau so viel, wie in sieben Jahren Musikhochschule. Auf diese Weise hat die Wende mich mit großer Dankbarkeit geprägt.
RockTimes: Wie seid Ihr eigentlich zur Musik gekommen und in welchen Bands habt Ihr vorher gespielt?
Bernd: Meine ersten musikalischen Spielereien fanden auf Vaters Klavier statt. Ich war damals fünf, sechs Jahre alt und fand dennoch ziemlich schnell heraus, welche Töne zusammenpassen und welche nicht. Die letzteren habe ich dann gespielt und damit meine Mutter gezwungen, mir quasi ein anderes (leiseres) Instrument zu beschaffen – eine Akustikgitarre mit Stahlsaiten – welche mich wiederum ans Klavier trieben. Und so ging es hin und her und hat sich eigentlich bis heute nicht geändert. So verdiene ich z. B. mit einer Coverband (Krause) als Keyboarder meinen Lebensunterhalt. Es gibt logischerweise eine Menge Bands in meiner musikalischen Laufbahn. Erwähnen möchte ich nur wichtige Stationen wie: Brückenhaus (Hochschulband), Die Maßlosen, Brigitte Stefan & Meridian (da spielte auch Torsten mehrere Jahre, leider zeitversetzt zu mir) und Berluc, eine der Kultbands im Osten.
Torsten: Ich bin eigentlich Spätzünder in Bezug auf mein Instrument. Musik war für mich immer das wichtigste. In den 70ern aufgewachsen hörte ich damals Uriah Heep, Jethro Tull, Deep Purple, Led Zeppelin, Zappa, Pink Floyd… was für eine Mischung. Irgendwann hat mir einer einen Bass in die Hand gedrückt und gefragt, ob ich mitmachen will. Und da habe ich meinen Job geschmissen, um viele Stunden am Tag üben zu können. Im November hab ich übrigens mein dreißigjähriges Berufsjubiläum.
Kay: Vater = Leiter in der Musikschule, Schwester = Lehrerin für Gesang und Saxofon in der Musikschule, Oma = leitete den Kirchenchor! Da gab es keinen Ausweg und das ist gut so. Von Tanzmusik auf Volksfesten und Nachtbars in der DDR, die ich nicht vermisse, über Rockprojekte, Programmbegleitungen nach Noten für und mit Fernsehstars aus’m Osten und Westen bis hin zur Volksmusik beutelte es mich viele Jahre durchs kommerzielle Musikzeitalter meiner jungen Tage. Die bestbezahltesten Auftritte waren die unmusikalischsten Tage. Viel gab mir mein Projekt mit der musikalischen Geschichte der Band Supertramp, die hochwertig war und äußerst forderte, aber Spaß machte.
RockTimes: Den Punkt, welche Künstler Euch inspiriert haben, möchte ich mal außen vor lassen. Viel spannender – finde ich – ist die Frage, welche Alben Euer Leben verändert haben?
Bernd: Gute Musik hat mich schon immer fasziniert, ich habe mich da aber nie festgelegt (Klassik bis Erntedankdresch). Im Rockbereich z. B. (hatte damals keinen NSW-Empfang) war die ungarische Band Omega meine Deep Purple! Später kamen dann all die grossen Meister wie Luke, Vai, Satriani usw… Mein Leben wirklich verändert hat das Album “Zelinka” (das Coverfoto lügt nicht).
Torsten: Das ist wirklich ein absolut spannender Punkt, weil der oft bei Unterhaltungen unter Musikern eine Rolle spielt. Jeder hat so eine ‘Scheibe’. Bei mir waren es zwei Ereignisse. Ich war wohl zwölf als ich im Radio Bohemian Rhapsody gehört habe. Ich war vollkommen geplättet und hab dann tagelang vor dem Radio gehockt um es nochmal hören zu können. Du konntest die Scheiben ja nicht kaufen, so was gab es nicht. Du konntest nur mit deinem Kassettenrekorder auf der Lauer liegen und aufnehmen. Ja, und dann 1978 – Rockpalast im TV aus der Grugahalle in Essen mit Mother’s Finest. Kannte keiner. Und dann ging da ein nie gehörtes Funk-Gewitter los, das war es dann. Als ich das erste mal in den Westen reisen durfte, bin ich gleich in einen Plattenladen und “Mother’s Finest Live” auf Vinyl war meine.
Kay: Keine einzelne Platte hat mich verändert, sondern die Zeit und die Erlebnisse. Steve Winwood und Barry White waren meine ersten Platten für echtes Westgeld. Dann wurde es immer unkonventioneller. Heute erlebe ich gefühlsmäßige Achterbahnfahrten bei Porcupine Tree, Archive oder auch Los Lobotomy mit Luke und Simon Phillips.
RockTimes: Spiegeln sich diese Scheiben in irgendeiner Form auf “Zelinka” wider?
Bernd: Ich denke, das muss wohl so sein.
Torsten: Auf jeden Fall. Meine Vorliebe für Funk und Fusion ist wohl mit meinen Rockpalast-Erlebnissen begründet.
Kay: Aber so etwas von logisch…
Zelinka RockTimes: Mich hat “Zelinka” schon beim ersten Hördurchlauf weggeblasen. Mal heavy – mal filigran, mal eingängig-melodisch – mal nervös-frickelig. Wie sind denn diese wahnwitzigen Arrangements zustande gekommen? Kam da einer mit einem ‘auskomponierten’ Song in den Proberaum oder habt Ihr die Stücke gemeinsam entwickelt?
Bernd: “Catacomb” oder “Raindrops” z. B. habe ich fertig in den Proberaum transportiert. Bei “Chillout” war es die Grundidee und wir haben gebastelt, was der flotte Dreier so hergab. “Safaga” und “Room No.15” sind ebenso fast komplett Torstens Idee und der Kay wird für die nächste Z-Scheibe verantwortlich gemacht! Zelinka würde ich auf jeden Fall als Gemeinschaftsprodukt sehen.
Torsten: Oft kommt Bernd mit seinen Kompositionen zu mir und meint: Hier, das ist Deine Stelle, mach mal. Ich liebe Bernds musikalisches Vertrauen, lässt es mir doch immensen Freiraum bei der Gestaltung der Songs. Egal, ob Bassfiguren, Soli oder Melodieteile.
Kay: Als Drummer war ich für die Erstidee bisher etwas schwerfällig und somit nicht auf der Überholspur, wenn es um neues Material oder Ideen ging. Im Laufe der Entwicklung eines Projekts wächst mein Einmischungsvermögen an und viele meiner Ideen sind heute auch auf der Scheibe. Was mich riesig freut. Dies soll sich aber ändern. Vorschläge gibt es schon. Vielleicht bin ich für solche Veredelungen besser geeignet.
RockTimes: Die Arrangements sind derart pfiffig und abwechslungsreich, dass (mir) eigentlich nichts fehlt. Trotzdem könnte ich mir in Eurem Gesamtsound noch gut ein ‘verrücktes’ Instrument vorstellen, beispielsweise eine Violine. Habt Ihr ebenfalls manchmal das Gefühl, dass Zelinka auch als Quartett ‘funktionieren’ könnte?
Torsten: Wir reden tatsächlich oft darüber und stellen uns dann einzelne Parts vor. Ein Keyboarder? Vielleicht mit Hammondorgel? Oder eine Sängerin? Am Ende ist dann aber allen jedesmal klar, dass wir nur zu dritt etwas Besonderes sind.
Bernd: Torsten, Du meinst flotter…
Kay: Ganz davon abgesehen, dass die Hammondorgel längst im Proberaum steht, kann ich mir in unserem Fall nur Mitspieler vorstellen, die einen Dudelsack besitzen, singende Papageien trainieren oder ihre Kreissäge tonal beeinflussen können. Es ist so lange schwer abzudriften, wie wir zu Dritt bleiben. Da muss schon wirklich jemand mit der gleichen Blutgruppe kommen. Aber manchmal wünschen wir es uns auch.
RockTimes: Kleine Frage in diesem Zusammenhang nebenbei: Ich glaube bei “Catacomb” phasenweise kurz ein Keyboard zu vernehmen. Ist das richtig und wenn ja, wer von Euch hat diesen Part gespielt?
Bernd: Nein, das ist kein Keyboard, ich habe auf beiden Kanäle (links-rechts) eine versetzte Rhythmusgitarre eingespielt und so entstand dieser eigenwillige Sound.
Torsten: Diese Stelle ist genial. Als Bernd uns die erste Version geschickt hat, waren wir begeistert!
RockTimes: Mal ‘ne Frage an jeden von Euch: Meine Lieblingsstücke sind “Catacomb”, “Room No. 15” und “Gipsy March” – was ist Dein persönlicher Favorit von “Zelinka” und warum?
Bernd: “Safaga” und “Room No.15”, weil sie von meinem Lieblingsbassisten sind.
Torsten: Huch! Danke, Bernd! “Chillout” und “Gipsy March” finde ich am geilsten – die sind musikalisch und stilistisch gehaltvoll und stehen wohl am meisten für den Zelinka-Stil. Wenn es den überhaupt gibt…
Kay: So, da sind wir uns ja tatsächlich alle einig. Das stellt vielleicht auch somit die Richtung dar, in die unser (T)Raumschiff in Zukunft fliegt.
RockTimes: Torsten, endlich habe ich mal die Gelegenheit, einen Bassisten zu fragen, warum er einen Fünfsaiter [ist jedenfalls auch dem Cover zu sehen] spielt. Welche Vorteile bringt das gegenüber einem traditionellen Viersaiter?
Torsten: Damit geht es ab in den Keller und zwar noch eine Etage tiefer. Der Tonumfang ist nach unten nochmal erweitert. Wenn ich auf dieser fünften Saite spiele und vor meinem Ampeg-Stack stehe (ein Bassist hoch), brutzeln die Eier und die Luft vibriert. Bassisten, die ‘nur’ Viersaiter spielen, wissen wahrscheinlich nicht, was ihnen entgeht (lacht). Nun gut, manche kommen ja auch mit zwei Saiten aus. Die beiden Solis in “The Cat” habe ich übrigens mit einem Sechssaiter eingespielt. Hier kommt dann noch eine Saite in der Höhenlage hinzu und du kommst tonal schon fast in klassische Gitarrenbereiche.
Bernd: Torsten ist als Bassist eigentlich Gitarrist, deshalb wird es bei Zelinka keinen weiteren geben!
RockTimes: (fies grinsend) Dir ist aber schon bekannt, dass die ‘Fossile’ unter den Bassisten über Fünf-, Sechs- oder gar Siebensaiter ihre Witzchen reißen??
Torsten: Über Siebener muss ich auch lachen, Sechser im Jazz ist okay, da die Funktion eine andere ist. Ach ja, der Fünfer ist keine Erfindung der Neuzeit sondern im Klassikbereich als Kontrabass Standard. [Wo er Recht hat, hat er’s natürlich, der Besser-Ossi ;-)] RockTimes: Bernd, welche Gitarren hast Du während der Aufnahmen benutzt – welche bevorzugst Du auf der Bühne und warum?
Bernd: Ich spiele fast alles mit meinen Lieblingsgitarren, einer Fender Telecaster plus und einer Akustik Tacoma. Mein Hauptamp ist ein Vox AC30 und meine neueste Errungenschaft ein Axe Fx II.
RockTimes Kay, viele Klasse-Drummer wie Matt Abts benutzen ja ein geradezu spartanisches Set. Wie sieht Deine ‘Philosophie’ diesbezüglich aus?
Kay: Mit der Zeit, damit meine ich die letzten zwanzig Jahre, habe ich mein Set immer wieder etwas geändert. Aber nie zurück in den Standardaufbau, sondern immer spezieller. Durch die sich immer steigernde Arbeit mit links, habe ich einiges in der Mitte minimiert und auch nach links verlegt. So ist dies wirklich nicht mehr normal und unterscheidet sich sehr vom Standard. Hierdurch ist es aber auch kaum noch möglich, auf fremden Drums unsere Musik zu spielen. Ich bin überzeugt davon, dass es richtig ist, dass sich auch ein Instrument an seinen Spieler annähern darf oder sogar sollte, soweit es möglich ist. Mein Set steht heute, wie ich gewachsen bin. Bei einem klassischen Modell müsste ich auf bestimmt über 40 % vom Vorhaben verzichten.
Zelinka RockTimes: Welchen Stellenwert hat Zelinka in Euren musikalischen ‘Lebensplanungen’. Ist es eher ein absolutes (im positiven Sinne!!) Spaß- und Selbstverwirklichungsprojekt, eine Spielwiese für persönliche Vorlieben? Oder wollt Ihr es mit dieser Band ‘schaffen’, Euch etablieren?
Bernd: Genau das!
Torsten: Yep – und zwar in dieser Reihenfolge!
Kay: Ich wünsche mir, dass es nie zu Ende ist… Es kommt mir vor, als sei ich im Heimathafen angekommen – nach einer vierzigjährigen Reise. Mit beiden Jungs habe ich nun gleichberechtigt das Steuer für die neue Reise mit in der Hand und hier ist jeder der Kapitän mit vier Streifen. Dennoch jetzt einen kommerziellen Rasen zu betreten, halte ich für unsinnig. Ich weiß, der Erfolg resultiert aus unserer Freiheit und nicht aus Zwängen oder Weichen, die uns abbringen. Für mich ist der Erfolg längst eingetreten. Es wird so weitergemacht. In unserem Fall halte ich den Weg für das Ziel.
RockTimes: Wie ich auf Eurer Website gelesen habe, findet Ende Oktober Eure Release-Party für “Zelinka” statt. Was habt Ihr für diese Party geplant?
Torsten: Wir sind jetzt schon total gespannt, hat sich doch viel Kulturprominenz und so manch lieber Musikerkollege angesagt.
Kay: Da ich in der Veranstaltungsbranche beheimatet bin, kenne ich viele gute Musiker. Ein kleiner Traum wird nun am 31. Oktober auch für mich wahr, denn mit Günter von Dreyfuss und Uwe Hoffmann haben wir sympathische Gastmusiker an Bord, die ich immer nur Backstage begrüßen konnte.
RockTimes: Ihr wollt sicherlich vor allem und am liebsten ständig live spielen – viele Veranstalter lesen unser Magazin. Was bekommen diese auf die Bühne, wenn sie Euch nach diesem Interview (hoffentlich) massenhaft buchen werden?
Bernd: Es wäre schon wünschenswert das der eine oder andere Veranstalter mit uns zusammen seinem hochverehrten Publikum mal was Gutes gönnt (für 2014 haben wir noch freie Termine). Ein wundervolles Konzerterlebnis der besonderen Art erwartet Euch.
Torsten: Wir sind übrigens noch auf der Suche nach einem fähigen Veranstaltungsmanagement, haben wir doch die Zeit bisher mit Komponieren und Studioaufnahmen ‘vergeudet’, anstatt uns um Muggen zu kümmern.
Kay: Zweifellos hebt sich unser Repertoire sehr von einer klassischen Band ab. Daher kann jeder Veranstalter versichert sein, dass die Gäste mit einem anderen Erlebnis als sonst seine Einrichtung verlassen werden. Wir sind dort richtig, wo offenes Publikum auch mit Anspruch gegenübersteht. Das macht dann erst richtig Spaß.
RockTimes: Vor der Bundestagswahl im vergangenen September hab ich mir die (unappetitliche) Mühe gemacht und in den Wahlprogrammen der etablierten Parteien nachgeschaut, ob diese etwas für die Livekultur zu tun gedenken. Einzig den Grünen war die Situation der Musikerinnen und Musiker einen eigenen Programmpunkt wert. Welche drei Sofortmaßnahmen müsste die neue Bundesregierung einleiten, um die Bedingungen von Musikern wie Euch nachhaltig zu verbessern?
Torsten: Das Musikschulsystem im Osten war schon beispielhaft. Immerhin zahlte man damals eine heutige Monatsgebühr als Jahresbeitrag. Nicht so betuchte Familien könnten sich so die musikalische Förderung ihrer Kinder leisten. Die Diskussion um das ‘Wie und Weiter’ der Künstlersozialkasse ist komplett überflüssig. Und der Verteilungsschlüssel in den Kommunen, die einen Großteil der Kulturausgaben in Oper und Theater stecken, gehört auch auf den Prüfstand.
Kay: 1.) Steuerverschwender persönlich haftbar machen und das Geld (wenigstens zum Teil) in kulturelle Bildungseinrichtungen stecken. 2.) Bildungsreisen mit praktischen Inhalten im Ausland unterstützen, um fremde Kulturen kennenzulernen. 3.) Den Chorgesang oder ein Instrument als Pflichtfach einführen.
RockTimes: Noch irgendeine Message an unsere Leserschaft?
Bernd: Schaut auch mal bitte zahlreich auf unsere Website. Dort könnt Ihr in die Songs reinhören und auch Weiteres zu uns finden.
Torsten: Ich finde es klasse, dass es entgegen dem so oft totgesagten Rock’n’Roll immer noch unglaublich viele Menschen gibt, für die Rockmusik mit all ihren Facetten ein wichtiger Teil des Lebens ist.
Kay: Liebe Leser, wer von Euch einmal, oder auch öfter, glückliche Musiker erleben will, hat eine gute Chance. Einfach auf Facebook unser Freund werden oder auf der Homepage im Kalender stöbern. Vielleicht sind wir bald in Eurer Nähe. Wenn, dann werden wir uns gemeinsam freuen.
RockTimes: Auch an Euch geht noch meine obligatorische Scherzfrage zum Schluss (und jetzt ist eine freche Schnauze gefragt): Was wolltet Ihr schon immer mal von einem Interviewer gefragt werden?
Bernd: Findet das schöne Geschlecht Eure Musik erotisch?
Torsten: Ganz klar: Wie findest Du meine Fragen?
Kay: Können wir bitte das Interview um 60 Minuten bzw. 60 Seiten verlängern?
RockTimes: Besten Dank für die offenherzige Beantwortung unserer Fragen

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